Cinema Quadrat: künstlerisches Potential darf nicht verkümmern!
11.12.2009
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
mit Sorge haben wir erfahren, dass die Existenz des Künstlerhauses zeitraumexit gefährdet ist, nachdem ein Sponsor sich verabschiedet hat und die dort arbeitenden Künstler und Veranstalter die Miete für die Räume in der Hafenstraße 68 nicht allein aufbringen können.
In den neun Jahren seines Bestehens hat zeitraumexit unserer Meinung nach einen nicht zu überschätzenden Anteil zur Kultur- und Kunstszene Mannheims beigetragen.
Mit Performances, Tanz, Theater, Videokunst und Installationen, mit wechselnden Ausstellungen und Gastspielen auswärtiger Künstler hat zeitraumexit immer wieder Impulse gegeben und einen Beitrag zum Kulturleben Mannheims geleistet, das ohne das Engagement von Gabriele Oßwald, Wolfgang Sautermeister, Tilo Schwarz und Julia Siebert deutlich ärmer aussähe. Gerade auf dem Gebiet der experimentellen Kunst gibt es derzeit keine alternative zu zeitraumexit.
Neben den regelmäßigen Veranstaltungen in den eigenen Räumen hat es zeitraumexit geschafft, mit dem jährlichen Festival Wunder der Prärie einen echten Höhepunkt zu schaffen und die avantgardistische Kunst in den Stadtraum hineinzutragen. Aktionen wie Cape Fear oder Saving the World mit der Performance-Gruppe Gob Squad waren Highlights des Kulturkalenders.
Durch das Stadtjubiläum 2007 hat man die bisher im Verborgenen blühende (?) lokale Kultur erstmal richtig kennen gelernt und sind viele Institutionen und einzelne Akteure gerade auch der freien Kultur näher aneinandergerückt und haben begonnen, gemeinsame Projekte zu entwickeln und sich zu vernetzen. Die Auseinandersetzung mit projizierten Bildern, bewegten und unbewegten, hat zeitraumexit von Anfang an als prädestinierten Partner für Cinema Quadrat erscheinen lassen. In diesem Jahr haben wir erstmals bei Wunder der Prärie zusammengearbeitet. So konnte Cinema Quadrat im Rahmen des Festivals einen Film zeigen; eine weitergehende Kooperation ist an der Verkürzung des Festivals auf wenige Tage gescheitert. Beim Nachtwandel im Jungbusch war Cinema Quadrat durch seinen Mitarbeiter VJPixelschubser mit vier Aufführungen des Stummfilms HÄXAN als Live-Remix in den Räumen von zeitraumexit beteiligt.
Eine weitere Zusammenarbeit war und ist immer noch angestrebt und von beiden Seiten gewünscht, droht jetzt aber am bevorstehenden Verlust der Projekträume in der Hafenstraße zu scheitern.
Auch für die B-Seite – Festival für visuelle Kunst und Jetztkultur, an dem wir personell ebenfalls beteiligt sind, stellt zeitraumexit mit seinen Räumen eine kaum zu ersetzende Infrastruktur bereit.
Ich möchte fragen, ob Mannheim sich gerade auch in Hinsicht auf die von Ihnen vorangetriebene Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2020 es leisten kann, ein derartiges künstlerisches Potential wegen unbezahlbarer Mietforderungen eingehen und verkümmern zu lassen.
Sehr geehrter Herr Dr. Kurz, bitte finden Sie Mittel und Wege, damit zeitraumexit seine in Mannheim unersetzliche Arbeit weiter adäquat fortsetzen kann!
Mit freundlichen Grüßen
Michael Jurich
Cinema Quadrat, Mannheim
Geschäftsführer
















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