Pandora Pop, "So darling ...", 2006
Hina Strüver, "1:10", Wunder der Prärie, (WdP) 2007
Stefan Kaegi, "Staat. Ein Terrarium", 2002
Anticool, "Vicious circle exercise", WdP 2004
Hina Strüver, "Castle", WdP 2004
Antonia Baehr, "Lachen", Wunder der Prärie 2008
EX!T, "f.a.q.", 2004
Stan's Cafe, "Of all the People ...", WdP 2005
Oßwald/Sautermeister, "Happiness", WdP 2006
Yvette Coetzee, WdP 2005
Tatsumi Orimoto, WdP 2006
Itsaso Iribarren, "I like when you don't speak", 2006
She She Pop; "Für alle", WdP 2006
Ines Dunemann
Far A Day Cage, "Odysseus", WdP 2005
Stan's Cafe, WdP 2005
Yvette Coetzee, "Fantastische Möglichkeit", WdP 2005
Friederike & Uwe, "Wasserturm", WdP 2004

das andere der gnade oder sie selbst

Bild von sirenomele

der werkkomplex "33 skizzen" nimmt je eine bestimmte raumsituation zum ausgang eines stückes -- man erfährt es erst später und ist sich dessen auch nicht so ganz sicher, ob nicht dieses konzept schon teil jener immanenten kosmologie ist, die dann in "zufall und gnade" -- also der skizze zur mannheimer kantine -- sich andeutet. dem "erkennen ist unser werkstücken" lässt sich diese verfahrensweise ja irgendwie zuordnen. andererseits zeigt sich künstlerische schöpfung hier von ihrer bescheidensten und anschmiegsamsten seite, insofern sie sich der gegebenheit eines spezifischen raumes anvertraut. dass solcher zufall vielleicht einem anderen werk angehört, ist ein neuer und im grunde sehr alter gedanke.

ich gebe zu, dass ich bei einer ehemaligen kantine wohl andere wege eingeschlagen hätte, da schon das wort mich an entfremdende arbeitzusammenhänge erinnert. die kühle der fliesen am boden und die dort dahingeometrisierende binnengliederung geben mir das gefühl, der raum würde arbeiten, aber in umgekehrter richtung was den vergleich zum theatralen und auch zum kirchen-raum betrifft: dass er absorbiert. das imaginative, das ja immer zur darstellenden kunst gehört, wird hier kontextuell eher gebremst.

vielleicht bin ich damit aber dann wilhelm groener doch nahe. der übergang von einer weissen wand zu einem weissen laken/ tuch, das diesen effekt eines ikonographischen weissen, saugenden lochs immer wieder in verschiedener weise pointiert, ist dem raum wohl tatsächlich näher, als meine sozialgeschichtliche phantasie. der von mariola groener gesprochene text hat aus diesen motiven eine wunderbar tiefe meditation gewoben, welche vielleicht durch die themen: fleckenlosigkeit > weiss > gewand > leichentuch christi > urbild/ abbild/ vorbild > bild beschrieben werden kann. im ganzen war das gesagte sowieso weit mehr als seine signifikanten. denn zum raffinement des textes gehörten die bilder selbst, also die tatsache, dass wilhelm groener mithilfe des tuches aus der christlichen ikonographie zitierten.

ich halte es für selten in diesen tagen, dass sich da jemand ausserhalb der mauern der universität auf ein konzept von geist beruft, in welchem sich die zusammenhänge schon vor ihrem gedacht-werden vermittelt zu haben scheinen. jede art von "wirkung" der darstellung ist schon zündung, inspiration, ein denken, von dem sich nicht sagen lässt, ob es das eigene gewesen ist. und wenn man von effekt reden möchte, dann ist das jetzt der, dass ich nicht weiss, wo anfangen und wo aufhören mit dem aufschreiben der gedanken in so etwas wie zeilen.  

ein bild leistet heute nicht mehr das, was es einmal geleistet hat: ein "ikon" zu sein, ein anzeichen, in welchem auch das enthalten ist, was es anzeigt. sogar dem körper auf der bühne wird dies eigentlich abgesprochen. die bildende kunst hat zweitweise sehr stark auf diesen umstand reagiert. sich auf gefundenes material zu berufen, ist, soweit ich weiss, eine gegenstrategie, die daheraus gepflegt wurde. ich finde es nicht übertrieben, zu sagen, dass es hier um die zeichentheoretische rettung der welt geht -- nur dass diese aktion, wie so einige andere, in den letzten jahren ein bisschen versickert ist. aber die bezugnahme der arbeit zur ikonographie, die mir erst fragwürdig erschien, ist wohl tiefer, als ich es hier nachvollziehen kann. der begriff der selbstreferenzialität, der ja für performance oder live-art in ihren ersten ästhetischen stunden so wichtig gewesen ist und hier eben einen strukturalistischen anklang bekam, hat tatsächlich sehr alte wurzeln im religiösen bildnis.

vor diesem hintergrund lässt sich das dritte stück "what they are instead of" als eine ferne spiegelung der unendlichkeit wahrnehmen. natürlich hat das nichts mit der intention des tanzes zu tun, kann aber vielleicht seine schöne ironie ein bisschen aufnehmen. denn anders als wohl in den meisten liebestänzen, haben sich die tänzer kein einziges mal angeschaut (und dadurch als menschen wahrgenommen), und sogar der typische blick ins nirgendwo war frei von sachfernen romantizismen. dass sich dieser metaphysische wille körperlich artikulierte und man sich ihm instinktiv nicht entziehen konnte, wurde vom publikum nicht immer als angenehm empfunden. aber die unendlichkeit und die gesellschaft haben es schon schwer miteinander. der romantische wille, mit dem all-einen zu verschmelzen, ist im alltag entweder halbseiden oder destruktiv, trotzdem wird die sehnsucht gepflegt und alles scheint in ordnung zu sein, solange es eben nur um liebesgeschichten und rote herzen und einen sonnenuntergang am meer geht. aber wenn dann die regressiven kräfte mal ausnahmsweise einen angemessenen rahmen haben und alle konsequenzen gezogen werden, sind sie plötzlich schwer erträglich oder schwer verstehbar.