Ines Dunemann
Yvette Coetzee, WdP 2005
Stan's Cafe, WdP 2005
Tatsumi Orimoto, WdP 2006
Oßwald/Sautermeister, "Happiness", WdP 2006
Antonia Baehr, "Lachen", Wunder der Prärie 2008
Yvette Coetzee, "Fantastische Möglichkeit", WdP 2005
Anticool, "Vicious circle exercise", WdP 2004
Pandora Pop, "So darling ...", 2006
Hina Strüver, "1:10", Wunder der Prärie, (WdP) 2007
Hina Strüver, "Castle", WdP 2004
Far A Day Cage, "Odysseus", WdP 2005
Stefan Kaegi, "Staat. Ein Terrarium", 2002
Itsaso Iribarren, "I like when you don't speak", 2006
EX!T, "f.a.q.", 2004
She She Pop; "Für alle", WdP 2006
Stan's Cafe, "Of all the People ...", WdP 2005
Friederike & Uwe, "Wasserturm", WdP 2004

das natürlichste aller dramen ... -- zu "romance-s"

Bild von sirenomele

zu allen lügen, die sich so um einen herum- und bis in die blutbahnen hineinschreiben, gehört auch, die sprache so zu gebrauchen, als sei man mit den dingen schon fertig. aber dass man sie nicht so einfach überwinden kann, das möchte doch kunst. in der konzeptuellen anlage von "gnadenlos zwei" könnte man so gesehen eigentlich gut in der mitte anfangen und sich je auf ein metaphorisches zentrum rückversichern, soll heissen: bei "33 skizzen. zufall und gnade", das für mich ein grossartiger rahmen gewesen ist für diese sehr spezifische, ästhetische erfahrung der unendlichen verweisung. und da also unsere körper über sich hinaus und möglicherweise schon in die ewigkeit hineinarbeiteen, ging es irgendwo auch wieder um die frage von menschlicher nähe, was von den anderen beiden performances recht explizit aufgenommen wird. (und wer den abend schon gesehen hat, wird lachen: jaja, sehr explizit.) -- ich fange aber nicht in der mitte an, sondern, weil auch ich hier nichts abschliessen will, irgendwo -- das heisst: vorne.

romance-s erschien mir wie das spiel einiger nur an der symbolischen äusserlicheit aufgehender momente eines noch wieder anderen dramas, dessen bekanntheit vorauszusetzen ist. sicherlich ist es mit der signifikanz von körpern in unseren zeiten sowieso schon kompliziert, weil ein stil zugleich auch eine bestimmte ausdrucksebene ist, die ja wiederum durch das weite feld des menschseins sich aufspannt. der eindruck stellte sich aber vielleicht auch her, weil dieses andere drama eben das einzige drama betrifft, welchem sich wohl kaum ein menschliches herz jeh entziehen kann und konnte.

die zwei, die da spielten, schienen körperlich permanent aufeinander bezug zu nehmen. aber weder waren sie im abstand autark, da wenigstens die augen einander suchen mussten, noch hätte sie die nähe befriedigt, denn die wiederum war oft von machtverhältnissen oder kunstvoller synchronizität geprägt. ich bin soweit, zu sagen: wenn das eine frühe "romantische" phase der liebe gewesen wäre, hätte sie wohl nicht lang gehalten. letzlich schienen die beiden nur in den wenigen augenblicken der abgrenzung nach aussen hin nahe. -- vielleicht betrifft es das problem, auf welcher ebene man das symbolische spiel überhaupt akzeptieren möchte. wenn die körper für eine undomestizierbare innenwelt zeichen sein sollen, dann liesse sich der tanz im ganzen leicht als metamorphose der liebe selbst begreifen -- immerhin wurde für die choreographie auch ein schwarzer theaterraum gewählt. gegen diese vielleicht klassische sichtweise, liessen sich dann aber auch einige augenblicke halten, die dem nicht entsprechen -- die körperliche liebe. und ganz abgesehen davon, dass man die tatsächliche anwesenheit der körper anders zu lesen geneigt ist. -- so erschienen die romanzen dann als szenen eines geschlechterkrieges zwischen zwei menschen, die sich nicht voneinander lösen können und dafür hassen. und das eben ist ein drama.

die zitierung einiger elemente des flamcencos liesse sich von kennern wohl lang diskutieren und sind auch in diesem zusammenhang interessant. das lange, pathetische innehalten hatte zum beispiel meines erachtens eine sehr konträre funktion. im flamenco tanzt ein tänzer nie allein, denn selbst wenn er allein tanzt, kommuniziert er mit dem gitarristen. kommunikation bedeutet dann aber auch oft: widerstand bieten. wenn der tänzer sich nicht bewegt, dann ist es oft eine sammlung, in welcher der körper eine geschlossene form hat und nach aussen hin stark abgrenzt ist. sein stillhalten ist oft zugleich eine gegenbewegung -- nämlich zur bewegung der musik. gerade aber dieser kraftakt und dieses formale potential der selbst-behauptung im tanz haben, soweit ich sehe, laurence yadi und nicolas cantillon nicht aufgenommen, das innehalten wirkte in der konstellation für mich eher wie ein gefrorensein -- was natürlich mit der ganz anderen geschichte zu hat, die ein flamenco-tänzer zu erzählen hat.