Far A Day Cage, "Odysseus", WdP 2005
She She Pop; "Für alle", WdP 2006
Tatsumi Orimoto, WdP 2006
Stan's Cafe, "Of all the People ...", WdP 2005
Antonia Baehr, "Lachen", Wunder der Prärie 2008
Stan's Cafe, WdP 2005
Itsaso Iribarren, "I like when you don't speak", 2006
Oßwald/Sautermeister, "Happiness", WdP 2006
Yvette Coetzee, "Fantastische Möglichkeit", WdP 2005
EX!T, "f.a.q.", 2004
Hina Strüver, "1:10", Wunder der Prärie, (WdP) 2007
Friederike & Uwe, "Wasserturm", WdP 2004
Anticool, "Vicious circle exercise", WdP 2004
Stefan Kaegi, "Staat. Ein Terrarium", 2002
Ines Dunemann
Hina Strüver, "Castle", WdP 2004
Yvette Coetzee, WdP 2005
Pandora Pop, "So darling ...", 2006

Hauptsache es lohnt sich! Für wen?

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Stadt der Zukunft: Zombietown
KOMMENTAR VON GEORG SEESSLEN
Science-Fiction-Fans wissen es seit einem halben Jahrhundert: Die Stadt der Zukunft wird aus einem geschützten Luxusraum der Superreichen und einem endlos wuchernden Slum bestehen. Unsere Städte folgen nämlich einerseits der Logik des Kapitals und andrerseits der Logik des Todestriebs. An vielen Stellen sehen sie aus, als sei ihnen bereits das Bewohntwerden zum Gräuel geworden, als wären Menschen für sie nur ein eigentümlicher Parasitenbefall. Die gültigste Metapher für den Restmenschen in den zu Tode sanierten und gleichzeitig zu Tode verkommenen Städten ist der Untote, ist der Zombie.
Dass unsere zukunftsorientierten Städte - siehe Hamburg, siehe Stuttgart - aus einem zirkulären System von Gentrifizierung und Verslummung entstehen, was die Wohngebiete anbelangt, sind wir seit geraumer Zeit gewohnt. Und die dazugehörigen Tragödien kennen wir auch: Ein Viertel wird saniert, die alten Mieter, die entweder die steigenden Kosten nicht mehr tragen können oder ganz einfach zum neuen Typus des Anwohners nicht mehr passen, werden hinausgedrängt. Dabei geht man indirekt und nicht selten auch direkt über Leichen. In derselben Logik und in denselben Strukturen, in denen man ein Viertel sozial und kulturell mörderisch "sanieren" kann, kann man ein anderes "verkommen lassen". Beide Strategien sind für die Immobilienbesitzer und ihre Nutznießer (auch in der Politik) profitabel. Zudem machen sie die Dynamik des Systems aus, denn der Wert einer Immobilie ist kein absoluter, sondern ein relationaler. Sonst würde sich das Spekulieren ja nicht lohnen.
In der neoliberalen Welt, in der die Lebensgrenze nicht mehr zwischen Fabrik und Wohnung verläuft, sondern zwischen Schlafen und Kaufen, werden schließlich auch die öffentlichen Räume, wie etwa der Bahnhof, gentrifiziert. Der soziale Zugang soll beschränkt werden. Es werden soziale und kulturelle Aufenthalts- und Verständigungsorte geschaffen, zu denen Verlierer keinen Zutritt mehr haben. Wer hier "bleibt", auch nur für eine gewisse Zeit, der muss das nötige Geld haben, und das fängt bei der Toilettenbenutzung an.
Eine klassisch-kapitalistische Stadtentwicklung hat einen ihrer Motoren in der Differenz der Immobilienpreise zwischen Zentrum und Peripherie. Die Gentrifizierung teilt die Bewohner eines Wohnviertels: Die einen gehen ins Ghetto, die anderen fliehen in die Peripherie. Damit wird jedes Mal der Druck im Ghetto erhöht, und die Preise in der Peripherie steigen. Dieser Preisspirale hält in aller Regel nicht einmal der sich sicher wähnende "kleine Hausbesitzer" stand. Der Weg dann geht entweder zurück in die Städte, das heißt in die Ghettos, oder noch weiter an die Peripherie.
Gentrifizierung erzeugt also ganz direkt jene Megacity, die keinen kulturellen Zusammenhang mehr hat und die letztlich nichts anderes mehr kontrolliert als Geld, Blut und Droge. Die öffentlichen Räume sind dabei soziale Selektionsmaschinen, wie es früher die Stadttore waren. Womit wir wieder bei den Zombies wären. In der Science-Fiction legen sie und andere Verlierer des Neoliberalismus die gentrifizierten öffentlichen Räume in Schutt und Asche.
 

Diesen kommentar aus der taz fand ich für die diskussion hier passend.

Comments

Sylvie's picture

Das Mannheimer Experiment

Der Kommentar aus der taz passt insofern gut zu Mannheim, weil hier ja wirklich alle Bevölkerungsgruppen und Nationalitäten in Nachbarschaft miteinander leben und sich gegenseitig tolerieren. Das hat mich an Mannheim schon immer fasziniert. Die Stadtgeschichte zeigt, was die Besonderheit der Stadt ausmacht: Ihre Vielfalt, Innovativität und Toleranz. Dazu gibt es auch einen interessanten Artikel in der Zeit, der daran erinnert, welchen Mut die Mannheimer Spitze einst mit einem einzigartigen Experiment bewiesen hat:

http://www.zeit.de/2002/06/Das_Mannheimer_Experiment

Die freien Kunstinitiativen sind ein Spiegel für die freie Kultur Mannheims. Der Verlust an kultureller Vielfalt wäre ein Rückschritt für die Stadt.

Nora's picture

Das Mannheimer Experiment

Liebe Sylvie,
das ist wirklich ein interessantes Beispiel, das Du da ausgegraben hast. Was ist davon übrig, im heutigen Mannheim, von dieser kulturellen Vielfalt, die ja offensichtlich auch gelebt wurde? Welch eine visionäre Vorstellung: Mannheim als Ort der gelebten kulturellen und künstlerischen Vielfalt.

Sylvie's picture

Das Mannheimer Experiment II

Liebe Nora,

ich hoffe ja, dass in Mannheim noch etwas von dieser Vision überlebt hat. Aus irgendeiner positiven Energie ist das Experiment damals schließlich auch entstanden. Und es kann kaum daran liegen dass die damalige Zeit günstiger oder weniger krisenreich für solch ein Wagnis war.