Itsaso Iribarren, "I like when you don't speak", 2006
Yvette Coetzee, WdP 2005
Hina Strüver, "1:10", Wunder der Prärie, (WdP) 2007
Pandora Pop, "So darling ...", 2006
She She Pop; "Für alle", WdP 2006
Stan's Cafe, WdP 2005
Anticool, "Vicious circle exercise", WdP 2004
Friederike & Uwe, "Wasserturm", WdP 2004
Yvette Coetzee, "Fantastische Möglichkeit", WdP 2005
EX!T, "f.a.q.", 2004
Oßwald/Sautermeister, "Happiness", WdP 2006
Tatsumi Orimoto, WdP 2006
Stefan Kaegi, "Staat. Ein Terrarium", 2002
Antonia Baehr, "Lachen", Wunder der Prärie 2008
Far A Day Cage, "Odysseus", WdP 2005
Hina Strüver, "Castle", WdP 2004
Stan's Cafe, "Of all the People ...", WdP 2005
Ines Dunemann

Mannheimer Morgen 14.10.09

in

Einsamer Rufer auf weiter Flur

Kulturpolitik: Das Kunst- und Performance-Zentrum zeitraumexit steht nach zehn erfolgreichen Jahren vor dem Aus

Von unserem Redaktionsmitglied Ralf-Carl Langhals

Was machen die denn eigentlich? Diese Frage hört man im Bezug auf das Kunst- und Performance-Zentrum Zeitraumexit in der Mannheimer Hafenstraße immer wieder. Dabei ist das, was Gabriele Oßwald, Wolfgang Sautermeister und Tilo Schwarz (und bis vor kurzem auch Elke Schmid) in Teilen der alten Kauffmannmühle leisten, nicht nur massive Knochenarbeit an der urbanen Basis, sondern auch bundesweit hoch geschätzt. Unter dem Überbegriff Performance-Kunst arbeiten die drei bildenden Künstler experimentell und durchdringen dabei mehrere Genres wie Schauspiel, Tanz, Lesungen, Video und vieles mehr. Als Labor für neue Kunstformen haben sie sich dabei in Künstler- und Kritikerkreisen längst einen guten Namen gemacht.

Sperrige Qualität braucht Zeit

Jetzt, just im zehnten Jahr, wo allmählich Früchte geerntet werden können, Anerkennung von Stadt und Publikum folgt, steht das Trio vor dem Aus.

Eine private Stiftung, die bisher die Miete für die 800 Quadratmeter Spiel-, Atelier- und Bürofläche übernahm, verlängert ihre Förderzusage nicht. Damit werden feste Größen im Mannheimer Kulturleben wie vor allem "Wunder der Prärie" (Mitglied der Top-Festivals der Metropolregion), "Frisch eingetroffen", "Flimmerkiste" oder "B-Side" nicht mehr möglich sein.

Der Weg, der 2000 in der Langen Rötterstraße begann, war lang und steinig, eben gerade weil die Initiative keine massenkompatible Unterhaltung zeigt und für eine solche Kunstform Publikum und Sponsoren erst allmählich gefunden werden können. Dies war erfreulicherweise gelungen: "Ohne die BASF wäre das Festival nicht da, wo es ist", würdigt Oßwald das Sponsoring des Ludwigshafener Chemieriesen mit Mannheimer Wurzeln. Die BASF tut viel, aber regelmäßige Zuwendungen oder Mietzuschüsse gewährt sie zurecht nicht, denn es ist nicht die genuine Aufgabe klassischen Sponsorings, den Erhalt einer Institution zu sichern, wie es nun bei Zeitraumexit nötig wäre. Institutionelle Förderung von städtischer Seite gibt es für Zeitraumexit nicht. "Das Kulturamt tut sein Mögliches, doch können wir nur Projektgelder beantragen." Von etwa 5000 Euro im Jahre 2000 auf nun knapp 40 000 Euro haben sich die Zuwendungen des Amtes in Anerkennung des Stellenwertes allmählich gesteigert. Ein Beitrag, der bei weitem nicht ausreicht, um großstädtische Life Art in der Qualität zu machen, wie sie im Jungbusch noch zu erleben ist.

Und Vorsicht! Wer in sparfreudiger Stammtischlaune über vermeintlich schräge Nummern abseitiger Selbstverwirklicher fernab des öffentlichen Interesses schwadroniert, sollte nicht vergessen, welche Impulse in der Vergangenheit von Zeitraumexit ausgingen: Bereits 2002 präsentierte Stefan Kaegi von Rimini Protokoll seinen "Ameisenstaat" bei Wunder der Prärie. Ein Künstlerkollektiv, das dann 2005 bei den Schillertagen mit dem "Wallenstein"-Auftritt von CDU-Stadtrat Sven-Joachim Otto am Nationaltheater bundesweit für Furore und eine Einladung zum Berliner Theatertreffen sorgte. Die Liste lässt sich fortsetzen: Internationale Größen wie Gob Squad, Anna Huber, Urban Lies, Heiner Goebbels und andere haben ihren Weg in die Metropolregion im Jungbusch angetreten.

Stadt muss handeln
Als einsamer Rufer steht Zeitraumexit im Südwesten dennoch alleine und ohne institutionelle Förderung da. Auch von Land, dem Fonds Darstellende Künste oder der Gastspielförderung des Nationalen Performance Netzwerks können derzeit nur Zuschüsse für einzelne Projekte beantragt werden, die ein notwendiges Gesamtvolumen von 250 000 Euro auch bei starkem Drittmittelanteil bei weitem nicht auffüllen. Ein solcher Betrag ist zur Erhaltung des derzeitigen Programm- und Qualitätsangebots fraglos vonnöten. Bekanntlich ist die Bereitschaft zur Selbstausbeutung in der Kunst am größten - und von den drei Leitern bis zur Schmerzgrenze erbracht. Verhandlungen mit Kulturdezernent, Kulturamt und Oberbürgermeister sind aufgenommen. Dem Profil Mannheims ist zu wünschen, dass sie erfolgreich sein werden.