zeitraumexit ist beispielhaft
Mannheim, Amsterdam / 25.10.09
Wir arbeiten gemeinsam seit 2004 in verschiedenen Kontexten der so genannten Freien Szene in Deutschland. Daher kennen wir die schwierigen Bedingungen, unter denen KünstlerInnen und VeranstalterInnen zu arbeiten gezwungen sind, aber wir kennen auch den unverwüstlichen Enthusiasmus und die Ernsthaftigkeit mit der hier gearbeitet wird. zeitraumexit ist dabei ein Musterbeispiel an persönlichem Einsatz und künstlerischer Integrität.
Als einziger Veranstalter und Förderer experimenteller Live Kunst in ganz Baden-Württemberg,
um nicht zu sagen in ganz Süddeutschland, setzt zeitraumexit mit minimalen Mitteln und maximalem Ertrag das Projekt einer Live Kunst-Szenen jenseits der behäbigen Staats- und Stadttheaterstruktur fort, das mit dem Mousonturm, dem TAT, den Sophiensaelen oder Kampnagel vor inzwischen einem Jahrzehnt begonnen wurde.
Die Relevanz und der Erfolg eines solchen Projekts steht heute außer Frage. Nicht nur haben KünstlerInnen wie Stephan Kaegi, Rimini Protokoll, Auftrag:Lorey, David Marton oder Two Fish – von so illustren Namen wie Heiner Goebbels, Laurent Chetouane oder Nicolas Stemann, die ebenfalls im Off begannen oder dort immer wieder arbeiten – die deutsche Theaterlandschaft entscheidend verändert, auch spielte und spielt die Freie Szene für den künstlerischen Austausch mit dem Ausland eine entscheidende Rolle.
Nicht auszudenken, wie Theater oder Videokunst in Deutschland heute aussähe, wenn unabhängige Festivals und Veranstalter nicht beharrlich auf Internationalität gesetzt und so der lokalen Kulturszene unverzichtbare Impulse geboten hätten. Das gleiche gilt natürlich für die Metropolregion: Ohne zeitraumexit fehlt nicht nur dem Publikum sondern vor allem den lokalen Kulturschaffenden der geradezu existentielle Austausch mit avancierten Formensprachen und Techniken jenseits der eigenen Stadt- und Landesgrenzen. Ohne diesen Austausch ist ästhetische Unterforderung und künstlerische Selbstüberschätzung unvermeidbar. Mit anderen Worten: Wenn zeitraumexit seine Arbeit einstellt, leiden darunter Nationaltheater, Schillertage, tig7, Felina Areal, Kunsthalle und all die anderen.
Für uns als Künstler ist zeitraumexit ein wichtiger Partner und Mannheim dadurch ein guter Ort zum Arbeiten. Wir sehen die Qualität dieser Arbeit nicht nur im Strukturellen sondern auch in der sehr persönlichen und respektvollen Auseinandersetzung über die Ziele der eigenen Arbeit und darüber, was freies Produzieren jetzt und in Zukunft bedeuten muss. Monetärer Gewinn oder wirtschaftliche Unabhängigkeit kann unserer Meinung nach eben nur ein Argument unter vielen sein, wenn ein Gemeinwesen ernsthaft an kultureller Entwicklung, wie sie hier vorangetrieben wird, interessiert ist. Und das gilt umso mehr für ein Gemeinwesen, dass sich Innovation und Kulturwirtschaft auf seine Fahnen geschrieben hat.
Im Interesse aller Kulturschaffenden der Region und der vielen überregionalen KünstlerInnen, die hier ein temporäres Zuhause gefunden haben, setzen wir uns für den Erhalt von zeitraumexit ein und fordern die Politik ebenso wie die Öffentlichkeit zum Handeln auf.
Hochachtungsvoll
Jan-Philipp Possmann & David Weber-Krebs
Mannheim / Amsterdam
















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